Die wissenschaftliche Arbeit: Gliederung und Form

Der Dreh- und Angelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit ist das Erstellen einer Gliederung als Verbindungsglied zwischen Materialsammlung und konkretem Schreibprozess.

Hat man sorgfältige Vorarbeit geleistet, kann man hierbei eventuell schon auf einer Vorab-Gliederung aufbauen (siehe hierzu Die wissenschaftliche Arbeit: zur Vorbereitungsphase).

Wenn nicht, muss der Gliederungsprozess unbedingt vor dem Schreiben geschehen. Denn die Gliederung stellt den roten Faden der Argumentation dar, die der Arbeit zugrunde liegt. Sie macht die Arbeit für einen selbst und den Leser logisch nachvollziehbar. Ihr ordnet man das in der Vorbereitung gesammelte Material zu, seien es Aussagen aus Exzerpten, Quellen, Zitate, Stichpunkte usw.

Gliederung – unterschiedliche Typen

Es gibt je nach Forschungsansatz, Fragestellung und Thema unterschiedliche Gliederungstypen, die, besonders bei umfangreicheren Arbeiten, auch kombiniert werden. Beispiele hierfür sind:

  • chronologische Gliederung (richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf vom Geschehen)
  • induktive Gliederung (führt vom Beweis / Beispiel zur Theorie)
  • deduktive Gliederung (führt von der Theorie zur Anwendung)
  • diskursive Gliederung (vergleicht Sachverhalte, Ereignisse usw., stellt sie gegenüber)
  • Gliederung nach Ursache und Wirkung

Gliederung – allgemeine Merkmale

Jenseits dieser Besonderheiten weisen Gliederungen im Wesentlichen immer dieselben Merkmale auf. Sie haben die folgenden drei Bestandteile:

  • Einleitung:
    Sie begründet die Wahl des Themas;
    diskutiert den Forschungs- und Quellenstand;
    führt die Fragestellungen, Hypothesen und Ziele auf, die mit der Arbeit beantwortet, geprüft bzw. erreicht werden sollen;
    erläutert die Methode, mit der vorgegangen wird, und den theoretischen Rahmen für die Arbeit
    definiert zentrale Begriffe.
  • Hauptteil:
    Er arbeitet die in der Einleitung aufgeführten Fragen und Thesen in Hinblick auf die Zielsetzung systematisch ab;
    diskutiert die Ergebnisse ausführlich;
    fasst sie am Ende der jeweiligen Kapitel zusammen.
  • Schluss:
    Er fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und ordnet sie in einen kohärenten Gesamtkontext;
    reflektiert kritisch die Ergebnisse in Hinblick auf Fragestellung und Methodik;
    und gibt darauf aufbauend einen Ausblick auf mögliche weitere Forschungsarbeit und -desiderate.

Die Bestandteile

Neben diesen eher inhaltlichen Problemen muss bei der wissenschaftlichen Arbeit noch einer ganzen Reihe formaler Kriterien genüge getan werden. Fangen wir beim äußeren Aufbau, den einzelnen Bestandteilen an. Diese sind folgende:

  • Deckblatt
    Es enthält: den vollständigen Titel der Arbeit; die Art der Arbeit (z. B. Magisterarbeit); den Namen, die Adresse und die Matrikelnummer des Autors; die Hochschule, den Fachbereich und den Studiengang; den Namen des Dozenten oder Betreuers; den Termin der Einreichung.
  • Inhaltsverzeichnis
    Es enthält: die Abschnittsnummern und Abschnittsüberschriften der Gliederung und alle weiteren Bestandteile mit den entsprechenden Seitenzahlen. Besonders wichtig ist, dass das Inhaltsverzeichnis und die Gliederungspunkte formal übereinstimmen.
  • Abbildungsverzeichnis (optional)
  • Abkürzungs- und Symbolverzeichnis (optional)
  • Textteil (Einleitung, Hauptteil, Schluss)
    Bei der Gliederung ist darauf zu achten, dass Unterabschnitte mit Nummerierung nie einzeln stehen dürfen (also wenn es z. B. den Punkt 1.1 gibt, muss es auch den Punkt 1.2 geben). Zudem sollten gleichrangige Abschnitte in etwa auch den gleichen Textumfang haben. Pro Seite sollte es nicht mehr als zwei Unterabschnitte geben. Mehr als drei Gliederungsebenen stören die Übersichtlichkeit ebenso wie mehr als neun Unterabschnitte pro Abschnitt. Die Abschnittsüberschriften sollten prägnant und präzise sein.
  • Literatur- und Quellenverzeichnis
    Hier müssen ohne Ausnahme alle verwendeten Materialien angegeben werden. Zur besseren Übersichtlichkeit bietet sich eine Unterteilung nach weiteren Kriterien an (Primärliteratur, Sekundärliteratur usw.). Das Verzeichnis ist alphabetisch geordnet. Daher beginnt die Literaturangabe mit dem Nachnamen des Autoren. Weitere Standardangaben sind Titel, Auflage, Erscheinungsort, Verlag, Erscheinungsjahr.
  • Anhänge (z. B. Quellen, Bilder, Dokumente, Interviews)
  • Ehrenwörtliche Erklärung (bei Abschlussarbeiten)

Hinweise zu Layout und Sprache

Zwar haben jede Hochschule und oft der jeweilige Dozent unterschiedliche Vorstellungen, wie die Arbeit auszusehen hat, doch lässt sich als allgemeine Regel festhalten, dass sowenig Formatierung wie möglich angebracht ist. Da es sich um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, sollte das optische Erscheinungsbild so einfach und klar wie die Sprache selbst sein, die dazu dient, einen komplexen Zusammenhang nachvollziehbar zu untersuchen. Eine zweite Regel ließe sich dahingehend aufstellen, dass die Gestaltungsmittel in der gesamten Arbeit einheitlich verwendet werden.
Eine Standardeinstellung setzt sich meist wie folgt zusammen: Schriftart – Times New Roman; Schriftgröße – 12pt; Zeilenabstand – 1½-zeilig; Fußnoten – 10pt mit einzeiligem Zeilenabstand; Zeilenausrichtung – Blocksatz. Zur Hervorhebung werden Wörter kursiv oder in Anführungszeichen gesetzt.

Zitieren

Ohne Zitate kommt keine wissenschaftliche Arbeit aus. Sie sind nicht nur ihr Fundament, sondern dienen auch der Klärung der Urheberschaft. Alles, was nicht allgemein bekannt ist oder nicht von einem selbst erarbeitet wurde, muss als solches gekennzeichnet werden. Dies geschieht mittels vier Zitierarten:

  • Direktes Zitat
    Da es einen fremden Textauszug wortwörtlich wiedergibt, um sich mit dessen Aussage auseinanderzusetzen, wird es in Anführungszeichen gesetzt. Direkte Zitate, die länger als drei Zeilen sind, werden vom Text abgesetzt. Kürzere Zitate werden in den Text eingebaut, aber grammatikalisch an den Satz angepasst. Geänderte Worte im Zitat stehen in Klammern.
  • Indirektes Zitat
    Da fremde Gedanken hier nur sinngemäß wiedergegeben werden, meist um die eigene Argumentation zu untermauern, werden sie nicht in Anführungszeichen gesetzt.
  • Sekundärzitat
    Wenn man die Originalquelle nicht zur Hand hat, kann auch ein Zitat aus einer anderen Quelle übernommen werden. Hierbei müssen dann aber beide Quellen angegeben werden. Dies geschieht durch den Hinweis „zitiert nach“.
  • Zitat im Zitat
    Hierbei handelt es sich um ein Zitat, das wiederum in einem wörtlichen Zitat vorhanden ist. Es wird für gewöhnlich in einfache Anführungszeichen gesetzt, ohne dass es gesondert nachgewiesen werden muss.

Quellenangaben

Quellenangaben sind notwendig, um die Fundstellen direkter und indirekter Zitate zu belegen. Es können zwei Arten unterschieden werden:

  • Eine hochgestellte Zahl, die am Ende des Zitats auf eine Fuß- oder Endnote verweist, in der die Quelle bei der ersten Aufführung komplett genannt wird. Wird sie ein weiteres Mal aufgeführt reicht in der Regel der Kurzbeleg mit Autorennachname, Titel, Seitenzahl.
  • Der Harvard Style, in dem die zitierte Quelle mit Angabe von Autorennachnamen, Erscheinungsjahr und, wenn nötig, Seite direkt im Text, aber in Klammern gesetzt genannt wird.

Daneben existieren noch einige Mischformen. Jedoch ist der Harvard Style weit verbreitet, nicht zuletzt weil durch ihn der Lesefluss kaum behindert wird und die komplette Literaturangabe im Literaturverzeichnis zu finden ist. Doch egal, für welche man sich entscheidet. Es ist darauf zu achten, dass Quellenangaben für indirekte Zitate mit einem „vgl.“ beginnen.

Hier erfährst Du – wie man wissenschaftliche Texte liest.

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Eine Antwort auf Die wissenschaftliche Arbeit: Gliederung und Form

  1. Markus sagt:

    “Jedoch ist der Harvard Style weit verbreitet, nicht zuletzt weil durch ihn der Lesefluss kaum behindert wird und die komplette Literaturangabe im Literaturverzeichnis zu finden ist.”
    Dies möchte ich dann doch sehr stark anfechten. Ich habe vor einem Jahr ausserfakultär eine Vorlesung bei den Psychologen an unserer Uni (Basel) besucht und auch deren Vorlesungsbegleitendes Buch gelesen. Da in beinahe jedem Satz eine Quelle vorhanden war, kann von einem Lesefluss nicht mehr gesprochen werden. Im Gegenteil: man musste jeden Satz 5 mal anfangen bis man ihn schlussendlich begreifft.

    Gruss, Markus

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