Die wissenschaftliche Arbeit: zur Vorbereitungsphase

Das Problem ist bei den meisten Studenten, besonders in den ersten Semestern, psychologischer Natur. Es geht ihnen nämlich häufig darum, die ganze Angelegenheit, die als mühsam und fremdartig empfunden wird, unter möglichst wenig Zeitaufwand abhaken zu können. Nach der Formel „Thema“ + „einige Bücher“ und „Unterlagen“ = „Schreiben“ warten nicht wenige bis auf den letzten Drücker, um binnen einiger Tage die Seminar- bzw. Hausarbeit im Fließbandverfahren zu fertigen. Aber gerade in der Themenwahl und -konkretisierung sowie in der Materialsammlung liegen die Ausgangsvoraussetzungen für eine gute wissenschaftliche Arbeit.

Generelles

Auch wenn es am Anfang des Studiums weniger zutrifft, sollte man sich zuerst bewusst machen, dass das wissenschaftliche Arbeiten kein streng linearer Prozess ist, der mit absoluten Größen operiert. Zwar bauen die einzelnen Schritte aufeinander auf, doch muss man Ergebnisse immer wieder abgleichen und notfalls revidieren. Denn je tiefer man in eine Materie eintaucht, desto mehr kommt Unerwartetes hinzu. Zur Vergewisserung sollte man deshalb vor allem auch die Sprechstunden des Dozenten nutzen. Zwei allgemeine Fragen können hier als exemplarisch hervorgehoben werden, die man immer im Hinterkopf behalten sollte:

  1. Mit welchen Mitteln erreiche ich ein ganz bestimmtes Ziel?
  2. Stellen sich zu viele Mittel als unzureichend heraus, muss eventuell das Ziel angepasst / umformuliert werden.

Mit diesen Bedingungen geht die Notwendigkeit einher, genügend Zeit für die Arbeit einzuplanen. Das mag überflüssig erscheinen, bringt aber neben der Stressreduzierung auch den Vorteil, in Ruhe ausprobieren und somit an seinen methodischen Fähigkeiten feilen zu können. Ein Zeitplan, der die einzelnen Arbeitsschritte berücksichtigt und ihnen ein ungefähres Quantum zuteilt, hilft zudem mit seiner Strukturierung, sich selbst zu motivieren und die vorhandene Zeit effizient auszunutzen.

Die Themenwahl

Meist lassen die Dozenten einen recht großzügigen Spielraum bei der Themenwahl, der sich natürlich auf den Seminar- bzw. Lehrstuhlrahmen beschränkt. Daneben führt das gewählte Thema im Idealfall Überlegungen aus persönlicher und wissenschaftlich-praktischer Sicht zusammen:
Persönlich:
Es sollte abgewogen werden, ob das Thema für einen von Interesse ist, ob es genügend Freiraum für Kreativität lässt und ob schon Vorkenntnisse bestehen, die den Einstieg erleichtern.
Wissenschaftlich-praktisch:
Natürlich gilt es zu bedenken, inwieweit die Fragestellung in der verfügbaren Zeit und unter den Seitenzahlenvorgaben methodisch und inhaltlich angemessen behandelt werden kann. Es kommt viel öfter vor, dass ein Thema zu umfangreich ist, als dass es zu wenig hergeben würde. Häufig muss es präzisiert werden. Eventuell stellt sich dann auch heraus, dass das Thema zu anspruchsvoll ist für den vorgegebenen Rahmen bzw. den derzeitigen Kenntnisstand. Ist das geschafft, stellt sich das Problem der Materialien: Liegen diese vor oder können sie im vorgegebenen Zeitraum beschafft und ausgewertet werden?

Die Konkretisierung des Themas

Im nächsten Arbeitsschritt, der sich mit der Themenwahl stark überschneidet, werden spezielle Fragen und eventuell erste Hypothesen herausgestellt, die sich aus dem Thema ergeben und als Rechercheimpulse dienen. Vor allem die W-Fragen (Was?, Warum?, Wie?, Wozu?) können hier herausgestellt werden. Man verschafft sich, ausgehend von Einführungswerken und zusammenfassenden Beiträgen, einen Überblick über den Forschungsstand und über die Methoden, mit denen dieses Thema bearbeit wurde/wird. Auf dieser Grundlage lässt sich dann meist auch schon eine Vorab-Gliederung als provisorischer Leitfaden erstellen.

Material sammeln

Was?
Die zu recherchierenden Materialien als Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit können nach ihrer Relevanz hierarchisch geordnet werden. Die Kriterien, nach denen dies geschieht, sind die Sachnähe zum Thema, die Aktualität und der wissenschaftliche Anspruch. Den Hauptteil der Sammlung sollten demnach Materialien bilden, die diesen Kriterien gerecht werden. Sie gehören in der Regel zur so genannten Primärliteratur. Das sind Forschungsberichte, wissenschaftliche Abhandlungen usw., die sich einer Thematik direkt widmen. Daneben gibt es den Typus der Sekundärliteratur, der die vorhandene Sachliteratur nur in kompilierter Form referiert. Grundsätzlich ist jedoch alles erlaubt, was der wissenschaftlichen Untersuchung des Themas dienlich ist: Interviewaussagen, Briefe, Webseiten etc.

Wo?
Da für gewöhnlich Bücher den Hauptteil des Materials ausmachen, ist der einfachste Weg der, welcher in die Uni-Bibliothek führt oder in die gut ausgestatteten öffentlichen Bibliotheken. Sie bieten auch die Möglichkeit der Fernleihe im Falle, dass Bücher nicht am Ort sind. Auch das Internet stellt besonders im Bereich der Zeitschriften eine gute Fundquelle dar, weil viele Artikel als PDF im Volltext herunter geladen werden können. Grundlagenliteratur, die man noch häufiger braucht, empfiehlt es sich vielleicht auch beim Buchhändler zu erwerben.

Wie?
Bevor man sich auf die Suche begibt, bietet es sich an, die wichtigsten Begriffe und ähnliche bzw. verwandte Fachtermini, die in den Zusammenhang der gewählten Fragestellung gehören, herauszufiltern und überblicksartig in ihrem Verhältnis darzustellen. Das erleichtert die Suche ungemein. Die Online-Bibliothekskataloge der Unis bieten aufgrund variabler Suchfunktionen einen schnellen Einstieg, haben aber den Nachteil, dass bei Sammelwerken die einzelnen Aufsätze nicht angezeigt werden. Fachspezifische Datenbanken und Literatur-Metasuchmaschinen sind schon genauer, jedoch, zumindest erstere, meist auch kostenfplichtig. Das Internet allgemein bietet bei vielen Werken zumindest das Inhaltsverzeichnis zur kostenfreien Einsicht.
Um das schrittweise (Zwischen-)Lesen und Beschaffen von Material kommt man jedenfalls nicht herum, allein weil sich aus den Fußnoten und dem Literaturverzeichnis in den jeweiligen Aufsätzen und Büchern die wichtigsten Hinweise auf relevante Literatur ergeben. Um hierbei die Effizienz zu wahren, sollte anstatt des detaillierten, wort-wörtlichen Lesens das kursorische bevorzugt angewendet werden. Man „überfliegt“, mit den Schlüsselbegriffen und Fragestellungen im Hinterkopf, den Text lediglich, um zentrale Aussagen und Schlussfolgerungen zu ermitteln. Gerade Einleitung, Inhaltsverzeichnis und Schlusswort sind dafür von Belang. Je relevanter ein Werk ist, desto wahrscheinlicher enthält es auch Literaturhinweise, die der Untersuchung des jeweiligen Themas dienlich sind.
Um den Überblick nicht zu verlieren, bietet sich das Anlegen einer (digitalen) Literaturkartei an, in der alle bibliografischen Daten enthalten sind, die das Literaturverzeichnis erfordert, aber auch die Angaben zu den Fundorten, also zum Beispiel der Name der Bibliothek. Zusätzlich ist auch eine Liste vorteilhaft, in der vermerkt wird, was man bis jetzt an welchen Orten mit welchem Erfolg recherchiert hat, um Mehrarbeit zu begrenzen.

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