Mit Europeana, so der Name des digitalen Portals, plant die EU, das kulturelle Erbe Europas in seiner ganzen Vielfalt jedem über das Internet zugänglich zu machen. Neben ganzen Büchern soll es ebenfalls Bilder, Musik und Filme enthalten. Die einzelnen Werke sollen nicht isoliert aufgeführt sein, sondern im historischen Zusammenhang und in thematischen Verknüpfungen stehen.
Studenten, Forschern oder allgemein Interessierten würde das Online-Portal die Suche nach Informationen erheblich erleichtern, da zum einen der Zugang kostenlos sein soll und zum anderen aufwendiges Recherchieren, bedingt durch Reisen oder Bücherwälzen, wegfiele. Über den individuellen Nutzen hinaus dient solch ein Vorhaben natürlich der europäischen Idee insgesamt. Denn durch einen leichteren Zugang zu Informationen werden natürlich immer auch Austausch- und Verständigungsprozesse gefördert – nicht nur zwischen den EU-Bürgern, sondern auch zwischen der Bibliothek als repräsentative EU-Institution und deren Usern. Somit hätte Europeana ebenfalls einen globalen Vorbildcharakter.
Soweit Vorstellung und Idee. Die Ausgangsbedingungen sind dem – noch – nicht sehr förderlich. Zur Realisierung ist die EU nämlich auf die Zulieferung des digitalen Materials durch die Mitgliedstaaten angewiesen, denen die kulturellen Objekte jeweils angehören, was verständlicherweise voraussetzt, dass diese erst einmal in digitaler Form vorliegen. Nun ist der Stand der Digitalisierung äußerst unterschiedlich. Nicht zuletzt aufgrund unzureichender finanzieller Mittel ist bis jetzt nur ein Bruchteil des vorliegenden Materials digitalisiert worden. Um dem zumindest teilweise abzuhelfen, steckt die EU bis zum Jahr 2010 120 Millionen Euro in das Projekt. Ein anderes Problem liegt in der Schwierigkeit, die Digitalisierungsbemühungen von nationalen Bibliotheken, Museen und Archiven aus 27 Mitgliedstaaten unter einen Hut zu bekommen, indem zum Beispiel einheitliche Formate beachtet oder Überschneidungen vermieden werden. Außerdem wird das Projekt, auch wenn es sich vorrangig um „ältere“ nationale Ausstellungsstücke handelt, wahrscheinlich Auswirkungen auf Urheberrechts- und Lizenzregelungen haben, die in ihrem vollen Ausmaß erst im Zuge der Praxis sichtbar werden.
Diesen Hindernissen zum Trotz ist der Launch des Prototyps im November dieses Jahres geplant. Mit ihm soll man vorerst in englischer, deutscher und französischer Sprache Zugang zu mehr als zwei Millionen Objekten haben, was allemal ein stattlicher Anfang wäre. Bis 2010 sollen es dann sechs Millionen Objekte sein, die in möglichst allen EU-Sprachen einzusehen sind. Hoffen wir, es klappt, so dass Europeana nicht das Schicksal von Atlantis teilt und in der Versenkung verschwindet.