Ob die jeweiligen Ratspräsidentschaften, in diesem Falle die französische unter Sarkozy, die vom 1. Juli – 31. Dezember 2008 andauert, überhaupt eigene Akzente setzen können und müssen, sei angesichts der immer gleichen strukturellen Herausforderungen in den verschiedenen Politikfeldern durch die Globalisierung und der generell feststehenden Richtung des EU-Integrationsprozesses dahingestellt. Dennoch ist der Blick auf die konkreten Maßnahmen nicht uninteressant.
Für eine Vielfalt der Sprachen…
Jedem, der schon einmal in Frankreich war und mitbekommen hat, wie schwer sich die Franzosen im Allgemeinen tun, sich in einer anderen als ihrer eigenen Sprache zu verständigen, mag es ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern, dass ausgerechnet die französische Ratspräsidentschaft „ein besonderes Augenmerk auf die Sprachenvielfalt“ lenkt. Doch das Erkennen ihrer Notwendigkeit ist durchaus folgerichtig. Denn ohne die Fähigkeit der Verständigung ist ein europäischer Wirtschaftsraum schwer vorstellbar.
und Mobilität
Hierzu setzt Frankreich vor allem auf die Mobilität von Studenten und Auszubildenden. Zu diesem Thema wird es zwei Konferenzen geben. Zur Qualitätssicherung der allgemeinen Hochschulbildung, die es vor allem durch die Förderung des Austausches von Forschern, Lehrkräften und Studenten zu erreichen gedenkt, findet im September in Straßburg eine Konferenz statt. Außerdem leitet Frankreich den Abschluss des Beschlusses über das „Erasmus-Mundus“-Programm. Dieses wirbt in der ganzen Welt für die herausragende Stellung der EU im Bildungsbereich, indem es unter anderem qualitativ hochwertige europäische Masterstudiengänge fördert und den Bekanntheitsgrad der europäischen Hochschulbildung in Drittländern zu verbessern sucht. Im November wird zudem eine Konferenz stattfinden, die sich im Rahmen der europäischen Bildungsmesse mit der Europäisierung der Ausbildungswege beschäftigt.
Ein Europäischer Forschungsraum
Des Weiteren bewegt sich Frankreich im Rahmen des so genannten „Ljubljana Prozesses“, der auf einem Treffen der Forschungsminister in Slowenien initiiert wurde. Er ist von der Einsicht bestimmt, dass die Verwirklichung eines Europäischen Forschungsraums die komplex koordinierte Zusammenarbeit von Akteuren auf allen Ebenen erfordert. Dementsprechend will Frankreich eine Vereinbarung über den rechtlichen Rahmen neuer paneuropäischer Forschungsinfrastrukturen schaffen. Die Nachhaltigkeit dieses Forschungsraumes soll abgesichert werden, indem eine „Sichtweise für den Horizont 2020“ festgelegt wird, was nichts anderes heißt, als dass Ministerdebatten zu zukünftig unumgänglichen Herausforderungen stattfinden.
Die berufliche Bildung
In einem anderen Prozess, nämlich dem „Kopenhagen-Prozess“, will Frankreich auf Grundlage von Empfehlungen, die von der Kommission bereits erarbeitet wurden, zu einem Beschluss kommen. Hierbei geht es um das europäische Kreditpunkte-System für die berufliche Bildung. Wie bei den Kreditpunkten im Hochschulbereich geht es darum, erworbene Kompetenzen international besser vergleichbar und nutzbar zu machen. Dadurch soll auch die berufliche Ausbildung insgesamt aufgewertet werden. Im November wird es dazu, aber auch zur Weiterbildung im Hochschulrahmen ein Ministertreffen in Bordeaux geben.
Zuguterletzt soll nicht unerwähnt bleiben, dass es der französischen Ratspräsidentschaft nicht nur um diejenigen geht, die ihren Weg bereits gefunden zu haben glauben, sondern auch um jene, denen die Wahl der Laufbahn erst bevorsteht. Daher stehen auch Orientierung, Beratung und Information im Vordergrund, um nicht zuletzt auch die Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss zu reduzieren, was in einer vierten Konferenz im September in Lyon Gegenstand des Themas sein soll.
Was aus den ambitionierten Plänen geworden ist, werden wir sehen, wenn sie eine Zeit in der Praxis hinter sich haben.