Der folgende kurze Artikel erhebt angesichts der Vielzahl von Gründen und Motivationen keinen Anspruch auf deren Vollständigkeit. Diese sollen ferner auch in keiner hierarchischen Ordnung dargestellt werden. Da vielmehr jeder eigene Prioritäten und Schwerpunkte setzt, versucht sich der Artikel an einer Kategorisierung, indem er sie aus den jeweiligen Blickwinkeln von angenommenen Persönlichkeitstypen darstellt – welche in ihrer reinen Form natürlich nur in der Theorie existieren…
Der Karrieretyp
Es gilt die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich den härteren Konkurrenzbedingungen auf dem internationalisierten Arbeitsmarkt anzupassen. Heutzutage ist der Vermerk eines studentischen Auslandsaufenthaltes im Lebenslauf mehr als nur ein Pluspunkt bei der Bewerbung. Die erworbenen Fähigkeiten, die mit einem solchen allgemein assoziiert werden, sehen die meisten Arbeitgeber als essenzielle Bedingungen für eine Einstellung an. Selbst wenn dem nicht so ist, hört man doch immer wieder, dass Bewerber mit einschlägigen Auslandserfahrungen willkommener sind, mit mehr Gehalt in einen Job ein- und schneller in höhere Positionen aufsteigen. Zudem erhöht sich mit ihnen auch der berufliche Spielraum auf dem internationalen Parkett. Hat man sogar einen doppelten Abschluss, von dem sich der zweite einem Auslandsstudium verdankt, steht der Bilderbuchkarriere in der Regel wirklich gar nichts mehr im Wege.
Der Wissenschaftsnarr
Wer seinem Studiengang leidenschaftlich verfallen ist, stößt sich häufig daran, dass die heimischen Voraussetzungen für diesen nicht unbedingt die besten sind oder dass zumindest die Lehr- und Forschungsinhalte zu wenig Facetten abdecken, um den eigenen Ansprüchen entsprechend in die Materie einsteigen zu können. Innerhalb des internationalen Hochschulwettbewerbs bieten ausländische Einrichtungen oftmals bessere Rahmenbedingungen. Nicht selten sind bei ihnen gerade die Top-Koryphäen des jeweiligen Fachgebietes als Lehrkräfte tätig. Aber auch in weniger dramatischen Fällen bietet der Auslandsaufenthalt die Möglichkeit, Studieninhalte zu ergänzen und gänzlich andere Unterrichtsmethoden kennen zu lernen.
Der Sprachfetischist
Die Nummer-Eins-Motivationen für den Auslandsaufenthalt sind selbstverständlich – und selbstredend – die Aneignung und Perfektionierung von Fremdsprachenkenntnissen. Für deren Begründung kann wiederum die diesbezüglich treffende Aussage eines bekannten Universalgelehrten sinngemäß wiedergegeben werden: Sprachen sind die unterschiedlich maschigen Netze, die wir in die Untiefen des Meeres der Erkenntnis hinab gleiten lassen. Oder kurz: Sprachenvielfalt ist der Schlüssel zum Verständnis, besonders in einer Welt, die immer stärker zusammenwächst. Sprachenkenntnisse fördern daher das menschliche Zusammenleben und den eigenen Werdegang – sowohl auf menschlicher als auch auf beruflicher Ebene. Tipp: Oftmals lassen sich in dieser Hinsicht auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn man für sein Auslandsstudium ein nicht englischsprachiges Zielland wählt, in dem auf Englisch unterrichtet wird, was zum Beispiel in Skandinavien der Fall ist.
Der Rationalist
Viele entscheiden sich für ein komplettes Auslandsstudium oder das Absolvieren von Bachelor- bzw. Master-Periode, weil sie im Vergleich zu Deutschland unter einfacheren Bedingungen dasselbe studieren und einen gleichwertigen Abschluss erlangen können. Das fängt schon damit an, dass manche ausländische Universitäten für den gewünschten Studiengang keinen Numerus Clausus voraussetzen, erstreckt sich über die Tatsache, dass vielerorts keine Studiengebühren aufgebracht werden müssen, und endet mit dem Umstand, dass die erforderliche Seitenzahl für Abschlussarbeiten im Ausland häufig weit unterhalb dessen liegt, was in Deutschland gefordert wird.
Der Laissez-faire-Typ
Manche wollen einfach nur für ein oder zwei Semester Abstand vom grauen Studieneinerlei in heimischen Gefilden gewinnen, um sich neue Inspirationen zu holen und zu schauen, wohin ihr weiterer Weg führen soll. Mal hier, mal dort – ohne die Zeit dabei zumindest formal zu vergeuden. Dies ist auch problemlos möglich, da Auslandssemester der Regelstudienzeit im Allgemeinen nicht hinzugerechnet werden.
Der Weltenbummler
Nicht zu unterschätzen ist ebenfalls der Reiz, den die Weite und das Fremde ausüben. Andere Kulturen, Landschaften, Sitten und Menschen stellen den Reisenden vor neue Herausforderungen, bilden unvergessliche Erfahrungen und erweitern den eigenen Horizont. Insbesondere die interkulturellen Erfahrungen prägen für das ganze Leben und erhöhen die soziale Kompetenz des Einzelnen. Kenntnisse auf diesem Gebiet sind in der heutigen globalisierten Welt in jederlei Hinsicht unverzichtbar. Nicht umsonst wird es zunehmend als notwendig erachtet, neuartige Studiengänge wie Interkulturelle Pädagogik aus der Taufe zu heben, die, wenn dies geschehen ist, auch auf immer größere Nachfrage stoßen. Und nicht wenige bleiben aufgrund der einprägsamen Erlebnisse im Ausland oder kehren später dorthin zurück, um sich eine Existenz aufzubauen.
Der Netzwerktyp
Neben den Erinnerungen, Erfahrungen und Kompetenzen ergeben sich während eines Auslandsstudiums durch die vielfältigen Kontakte mit Menschen aus aller Welt auch Freund- und Bekanntschaften, die oftmals weit über den eigentlichen Auslandsaufenthalt Bestand haben. Solch ein internationales soziales Netzwerk steigert nicht nur die individuelle Lebensfreude, sondern erweitert die Chancen und Möglichkeiten bei der Umsetzung eigener Ideen und Vorhaben beträchtlich.