Denn Reden und Beratschlagen kann man viel. Vergessen wird dabei meist, dass die Studenten individueller und komplexer sind als die eh schon vielfältigen Tipps, die regelmäßig gegeben werden. Eines kann jedoch schon einmal vorweggenommen werden: Das Interesse am zu studierenden Fach muss grundsätzlich vorhanden sein, wenn auch das beste Lernmanagement nicht versagen soll. Ist die Prämisse erfüllt, kann es über so manche Durststrecke hinweghelfen und die Motivation auch in stressigen Zeiten aufrechterhalten bzw. dafür Sorge tragen, dass diese gar nicht erst auftreten.
Als zweite Prämisse, ausgehend von der eigenen Individualität, sollten sich vor allem Erstsemester-Studenten die trial-and-error-Methode auf die Fahnen schreiben, um verschiedene Studiumstaktiken und -voraussetzungen anzutesten und dadurch herauszufinden, welche jeweils für sie am besten geeignet sind. Es ist das gewisse Maß an Offenheit, das durch eine begründete Abstimmung zwischen eigener Persönlichkeit und äußeren Bedingungen die Grundlage für den erfolgreichen Weg nicht nur durch das Studium bildet. Daher sollten auch die nun folgenden generellen Punkte nur als Vorschläge betrachtet werden.
Was will und kann ich?
Auch wenn es fast schon ein wenig spirituell klingen mag, steht am Anfang jedes erfolgreichen Studiums bzw. Studiumsabschnitts eine Art zweckrationaler Selbstfindungsprozess. Aufbauend auf dem einleitend Erwähnten muss jedem erst einmal klar werden, was er erreichen will. Hier gilt: Weniger ist mehr. Viele Studenten wollen meist zuviel, zuviel Scheine pro Semester, zuviel Inhalt in einer Hausarbeit – häufig auch wegen dem äußeren Erwartungsdruck. Günstiger ist es, sich einige konkrete Ziele zu setzen, die dem eigenen Lern- und Leistungsvermögen entsprechen, und diese gründlich anzugehen. Dem ist auch das Herausfinden der eigenen Stärken und Schwächen, dessen, was einen motiviert und hemmt, dienlich. Im Großen und Ganzen ist es also nützlich, den (individuellen) Lernprozess hinter dem (konkreten) Lernprozess bewusst voranzutreiben.
Der Ort
Jeder braucht eine Art „Studierinsel“. Das kann zum Beispiel die Uni-Bibliothek oder der eigene Schreibtisch sein. Es kommt darauf an, dass man ihn, wenn möglich, wirklich nur zum Lernen, Lesen und Schreiben nutzt. Andere Tätigkeiten, wie das Essen oder Telefonieren mit Freunden, sollten im wahrsten Sinne außen vor gelassen werden, um in der eigenen Psyche die Assoziation zu verankern: Wenn ich hier sitze, wird gearbeitet. Frische Luft, genügend Platz, geringe Ablenkung (z. B. durch Lärm) und eine bequeme Sitzmöglichkeit tun ihr übriges.
Die Zeit
Egal ob man nun sich nun früh am Morgen oder spät in der Nacht am besten konzentrieren kann. Jeder braucht ein regelmäßiges Zeitfenster, das ausschließlich dem Studium gewidmet ist und davon abhält, die akademische Freiheit ungenutzt verstreichen zu lassen. Nicht wie, sondern dass man die Arbeitszeit platziert ist hierbei entscheidend. Je nach Persönlichkeit und Ereignissen, die anstehen, kann die Voraussicht der Planung variieren. Fest steht: Je größer das Projekt, desto vorausschauender die Planung. Für den Seminaralltag genügt den meisten die Aufstellung eines Tagesplans. Geht es an Haus- oder Abschlussarbeiten, bieten sich Wochen- oder Monatsplanungen an. Um den Überblick nicht zu verlieren, empfehlen sich Notizbuch, Kalender und ähnliches.
Die Pausen
Für viele das Beste am Studium, sind sie wirklich nicht unwesentlich. Denn in den Pausen tankt das Gehirn neue Kraft und gewinnt das Denken die Distanz, um zu weiteren Sprüngen ansetzen zu können. Ein ausgewogenes Verhältnis von Anspannung und Erholung ist optimal. Hier kann man sich ruhig an Uni und Gesellschaft orientieren. Das heißt: Nach spätestens zwei Stunden Kopfarbeit bietet sich eine kleine Pause (ca. 15min) an, nach vier eine größere vor allem für eine Mahlzeit (ca. 1h); mehr als acht bis zehn Stunden Studiumsarbeit pro Tag sollte man vermeiden. Am besten sind regelmäßige, kleinere Blöcke bei langfristiger Planung. Mindestens ein freier Tag pro Woche, vor allem bei Abschlussarbeiten, ist ebenfalls angebracht.