Im Zeichen des interkulturellen Lernens

Doch seien wir einmal ehrlich. Mittlerweise haben wir den August des Jahres schon hinter uns gelassen: Aber wer hat von diesem Jahr schon einmal gehört, geschweige denn bewusst an einer seiner Aktionen teilgenommen? Vor dem Hintergrund der durchaus sinnvollen und positiven Intention, die mit dem „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs“ (EJID) verfolgt wird, vielleicht ein Grund mehr, es an dieser Stelle einmal kurz vorzustellen.

Hintergrund und Ziel

Ein Bündel aus vielen verschiedenen Faktoren, zum Teil ein Reflex der Globalisierung insgesamt, zum Teil eine Folge des EU-Integrationsprozesses, führt laut entsprechender Entscheidung von Rat und Parlament dazu, dass die Interaktionen zwischen den in Europa lebenden und arbeitenden Menschen einerseits, zwischen verschiedenen Kulturen, Religionen, Sprachen und ethnischen Gruppen andererseits beständig wachsen. Genannt werden hier als genaue Ursachen zum Beispiel die gestiegene Mobilität innerhalb des Binnenmarktes, alte und neue Migrationsbewegungen und die EU-(Ost-)Erweiterung.

Gefördert werden sollen daher mit dem interkulturellen Dialog, der verständlicherweise mit diesem symbolischen Jahr erst richtig in Schwung kommen soll, vor allem ein weltoffener europäischer Bürgersinn, die kulturelle europäische Vielfalt sowie die Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit innerhalb einer Wirtschaft, die in einer komplexeren Umwelt auf Menschen angewiesen ist, um den Wohlstand zu steigern. Nicht nur der Kultur- und Kreativsektor sollen angekurbelt werden, sondern auch das bürgerschaftliche Engagement der einzelnen Bürger für Solidarität und soziale Gerechtigkeit, so dass sich, entsprechend der hier vertretenen Grundstimmung, diese Werte und Ziele auch über die Grenzen der EU hinaus verbreiten. Die Erforschung neuer Ansätze und die öffentlichkeitswirksame Verbreitung bereits bewährter Methoden für den interkulturellen Dialog, aber auch die Förderung der Bildung und sozialer Fähigkeiten ergeben sich daraus als ganz konkrete Maßnahmen.

Wie sieht es praktisch aus?

So ambitioniert und nachvollziehbar sich eben Genanntes anhört, so zwingend stellt sich natürlich auch die Frage, wie man denkt, all das umsetzen zu können. Im Vordergrund stehen konsequenterweise eine Vielzahl von Veranstaltungen und Initiativen, die auf europäischer Ebene sowie auf regionaler und nationaler Ebene – hier mit starkem europäischen Bezug – durchgeführt werden, um die Zielsetzungen des Jahres zu fördern. Auf der Webseite findet man im „Veranstaltungskalender“ einen detaillierten und äußerst informativen Überblick über alle gewesenen und noch ausstehenden Ereignisse.

Für Interessierte, die nicht allzu weit reisen wollen, lässt sich mit einem Klick herausfinden, was im eigenen Land „läuft“. Ausdruck der zu demonstrierenden kulturellen Vielfalt ist der Umstand, dass jedes Mitgliedsland in enger Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft eine eigene Strategie zur Umsetzung des EJID erarbeitet hat, die zum Download bereitsteht. Zudem wird aus Mitteln der EU in jedem Land ein spezifisches Projekt gefördert, das sowohl die europäische Dimension als auch die Einbeziehung vieler Menschen auf besondere Weise berücksichtigt. So gibt es beispielsweise in Österreich das Projekt „Radiodialoge – Stimmen der Vielfalt“, in dem sechs österreichische Freie Radios interkulturelle Redaktionsteams gebildet haben, die sich aus insgesamt 65 Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen, sozialen Hintergründen zusammensetzen, um gemeinsam mehrsprachige Radiomagazine zu produzieren.

Daneben gibt es allein auf EU-Ebene eine Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen, die von Klassikkonzerten über Fachkonferenzen- bzw. Tagungen und Ausstellungen bis hin zu Theateraufführungen reichen. Alles unter einem spezifischen Motto, das jeweils eine Schattierung der kulturellen, geschichtlichen und wissenschaftlichen Vielfalt widerspiegelt. Vorbeischauen lohnt sich also.

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