Im Grunde tauchen einige Lerntechniken sowohl in Ratgebern als auch bei Studentenumfragen immer wieder auf, was ein Hinweis dafür sein könnte, dass sie sich bewährt haben – wenn man nicht gerade von einem Mangel an Alternativen ausgeht. Wie dem auch sei. Zum Ausprobieren sind die vier hier aufgeführten allemal geeignet. Und vielleicht bewahrheiten sie im Zuge dessen für den ein oder anderen auch den Spruch: Man lernt nicht für die Prüfung, sondern für das Leben.
Lerngruppe
Wenn wir einmal ganz allgemein anfangen, lässt sich als erstes die Methode der Partner- und Gruppenarbeit ins Feld führen, die sich bei vielen Studenten nicht umsonst großer Beliebtheit erfreut. Sie ist streng genommen natürlich keine kognitive Lerntechnik, bietet aber, neben der Gefahr der Ablenkung, so einige Vorteile. Allen voran der solidarische Effekt. Getreu nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ reduziert sie den psychologischen Stress allein dadurch, dass man die Gelegenheit hat, Ängste, Verständnisschwierigkeiten und offene Fragen mit anderen auszutauschen: Man merkt, dass man nicht allein steht. Häufig wird durch den Austausch nicht nur die Last relativiert, sondern es ergeben sich auch neue Perspektiven, Erkenntnisse und Impulse, die man beim Lernen allein vielleicht übersehen hätte und hierfür produktiv verwertet werden können. Letzteres sollte nicht vernachlässigt werden, findet aber in der Lerngruppe nicht zuletzt dann eine sinnvolle Ergänzung, wenn es darum geht, sich von Gleichgesinnten, die in der Materie stecken, abfragen zu lassen.
Mind Mapping
Ein Trendbegriff in Sachen Lernmethoden, der nicht nur aufgrund seines schnittig-professionellen Klangs durch die Ratgeberseiten geistert, ist die „Gedächtniskarte“. Denn diese Lernmethode macht sich den erwiesenen Umstand zunutze, dass das Denken, Wahrnehmen und Erinnern des Menschen nicht abstrakt isoliert, sondern in Relationen funktioniert. Daher stellt sie die Beziehungen zwischen zusammenhängenden Sachverhalten grafisch dar. Umschrieben werden könnte sie als eine Mischung aus Stammbaum-Darstellung und Gliederung eines Wissenschaftstextes unter Zuhilfenahme optisch-kreativer Hilfsmittel. Beim Mind Mapping steht das Ausgangsthema in der Mitte eines Blattes, das durch unterschiedliche Zweige, Unterzweige, Unterunterzweige usw. mit den zugehörigen und nach Relevanz geordneten Schlüsselbegriffen verbunden ist. Dabei gilt: Pro Zweig ein Begriff, um die Übersichtlichkeit zu wahren, die auch durch Farben und Skizzen zusätzlich gefördert werden kann. Ist die Mind Map nicht zu komplex, kann sie durch die bildliche Darstellung wie ein Foto abgerufen werden. Die Steigerungsform für komplexere Prozesse ist das Concept Mapping, bei dem die jeweiligen Beziehungen zwischen den Begriffen benannt und durch verschiedene Darstellungsformen charakterisiert werden, so dass kein zentraler Ausgangsbegriff vorhanden sein muss.
Mnemotechniken
Angeblich aus der griechischen Antike stammt die Anwendung spezieller Merkhilfen, die von der allseits bekannten Eselsbrücke bis hin zu Systemen für das Einprägen komplexer Sachverhalte reichen. Bei ausreichend vorhandener Kreativität lassen sich sicherlich neue Merktechniken oder zumindest interessante Abwandlungen von den eh schon zahlreich vorhandenen finden. Daher im Folgenden nur einige Beispiele zur Anregung:
- Assoziationskette
Um sich Begriffe in einer bestimmten Reihenfolge zu merken, können sie in Gedanken durch Verbildlichung zum Beispiel in Form einer Geschichte in der Reihenfolge zu einer Kette verbunden werden, in der man sie sich merken muss. - Locitechnik
Hier werden die zu lernenden Begriffe einem bestimmten Platz bzw. Ort (lat.: locus) in einer vertrauten Umgebung zugeordnet. Besonders um die richtige Reihenfolge sicherzustellen, eignen sich markante Punkte von Wegstrecken, die man regelmäßig zurücklegt (zum Beispiel auf der Fahrradfahrt zum Training). - Zahlensymbolik
So mancher, dem das Einprägen von Zahlen recht schwer fällt, merkt sich diese, indem er sie bestimmten Bildern von Gegenständen, Pflanzen, Tieren usw. zuordnet. Zum Beispiel könnte die Zahl „4“ durch einen PKW symbolisiert werden, da dieser vier Räder hat.
Karteikarten
Bei vielen haben sich Karteikarten als effektive Lernmethode bewährt. Sie gelten wohl zu recht als Lernklassiker. Grundlage hierfür ist eine von zwei Seiten beschriebene „griffige“ Karte im A5- oder A6-Format, auf deren Vorderseite der Schlüssel- oder Überbegriff und auf deren Rückseite die entsprechende umfangreiche Erläuterung mit den Zahlen und Fakten steht. Hieraus lassen sich unterschiedliche Lernsysteme entwickeln. Am einfachsten ist das Anlegen von zwei Fächern. In das erste kommen die Karten mit den neuen Inhalten, die es intensiv (täglich) zu lernen gilt. Ist man sich eines Inhaltes sicher, kommt die entsprechende Karte in das zweite Fach, das nur noch sporadisch (jeden zweiten/dritten Tag) durchgearbeitet wird. Fällt einem hierbei die Erläuterung zu einem Begriff nicht mehr ein, rutscht die Karte wieder in das erste Fach.