Studiengänge – exotisch, aber aussichtsreich

Exotische Studiengänge müssen heute längst nicht mehr den Status von so genannten Orchideenfächern haben. Zwar weisen sie einen hohen Spezialisierungsgrad auf und sind meist im Vergleich zu den Breitenfächern wie Jura, Medizin usw. mit einem relativ kleinen Anteil am Lehrkörper vertreten. Aber das Argument, man habe es hier mit einer weltfremden und brotlosen Kunst zu tun, dürfte zumindest für die im Folgenden vorgestellten Beispiele nicht gelten. Denn diese sind äußerst praxisorientiert und bereiten auf ein klar definiertes Berufsfeld vor.

Technikjournalismus

In einer zunehmend von technischen Prozessen durchsetzten Welt steigt die Notwendigkeit, komplizierte Materien für Nicht-Experten adäquat zu erklären. Da dies bisher entweder zu großen Teilen von den Entwicklern selbst, denen es an sprachlicher Schulung mangelt, oder auch von Journalisten, die kein tiefer gehendes Technikwissen vorweisen können, übernommen wurde, ist der Studiengang Technikjournalismus aus der Taufe gehoben worden. Mit ihm sollen Studenten die journalistische Vermittlung der Funktion von technisch komplexen Maschinen und Medien erlernen.
Die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg bietet Technikjournalismus als Bachelorstudiengang mit einem Umfang von sieben Semestern an. Er setzt auf eine praxisnahe journalistische Ausbildung in den Bereichen Radio/TV, Print, Multimedia/Online-Medien sowie der Unternehmens-PR und Produktkommunikation. Ein Praxissemester ist daher Pflichtbestandteil.

Puppenspiel

In eine gänzlich andere Richtung geht der Studiengang Puppenspiel, obwohl es auch hier um Kommunikation geht. Genauer: Um kommunikative Aktion mittels materieller Medien. Als eine sehr alte Kunstform hat Puppenspiel eine Entwicklung durchlaufen, die immer auch von anderen Künsten und Darstellungsformen beeinflusst gewesen ist – zum Beispiel Tanz, Schauspiel oder elektronische Medien.
An der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin können Interessierte innerhalb von acht Semestern diese spezielle Art der Darstellenden Kunst erlernen. Um Kreativität, Öffentlichkeitswirkung, aber auch die damit verbundene soziale Verantwortung zu schulen, gehören Fächer wie Objekttheater, Animatronics, Puppentheatertheorie, Geschichte, Ästhetik, Kunst- und Kulturgeschichte oder Dramaturgie zum Unterrichtsplan.

Gerontologie

Dem Umstand, dass die Menschen immer älter werden, und den damit verbundenen Herausforderungen für die Gesellschaft allgemein sowie den Menschen im Einzelnen trägt der Studiengang Gerontologie Rechnung. Als interdisziplinäre Wissenschaft hat Gerontologie das menschliche Altern mit all seinen Auswirkungen zum Gegenstand. Das zu untersuchende Spektrum reicht von der sinnvollen Gestaltung des Lebens nach dem Ende der Berufstätigkeit über die Finanzierung der Hilfe- und Pflegebedürftigkeit bis hin zum Zielgruppendasein älterer Menschen für die Wirtschaft.
Beispielsweise am Institut für Gerontologie der Hochschule Vechta wird das Fach als Bachelor- und Masterstudiengang angeboten. Ersterer dauert sechs, zweiter zehn Semester.

Entsorgungsingenieurwesen

Trotz Etablierung des Umweltschutzes leben wir immer noch in einer Wegwerfgesellschaft, die enorme Mengen an Abfall produziert. Eine Wissenschaft, die sich dessen Vermeidung bzw. Wiederverwertung zum Ziel gesetzt hat, ist da nur logisch konsequent. Für die Umsetzung genannter Ziele gilt es, neuartige konzeptionelle und logistische Ansätze zu entwickeln.
Dem widmet sich der Studiengang Entsorgungsingenieurwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Im Mittelpunkt des Studiums, das nach sechs Semestern zum Bachelor- und nach weiteren vier zum Masterabschluss führt, stehen die Problemfelder Umweltbewertung, Ökologie und Umweltmanagement. Dafür werden den angehenden Ingenieuren neben vielen naturwissenschaftlichen Komponenten auch Inhalte aus anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Betriebswirtschaft oder dem Recht, vermittelt. Zudem muss aus den Studienrichtungen Feste Abfallstoffe, Abwasser sowie Bodenschutz und Wasserwirtschaft eine Vertiefung gewählt werden.

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2 Antworten auf Studiengänge – exotisch, aber aussichtsreich

  1. Christoph sagt:

    Als ich “Wer keine Lust verspürt, das zu studieren, was schon etliche vor ihm getan haben,” gelesen hab, ist mir gleich mein eigener Studiengang an der RWTH in den Kopf gekommen bzw. warum ich mich vor zwei Jahren dafür entschieden hab. Geht ein bisschen in die Richtung wie das erste Beispiel im Eintrag, aber halt an einer Uni und nicht direkt in Richtung “Journalismus”: “Technik-Kommunikation” heißt das ganze und kombiniert Kommunikationswissenschaft mit einem technischen Fach (Informatik, Maschinenbau, Werkstofftechnik, Georessourcen,…). Kannst Du ja noch mit Infos von http://www.tk.rwth-aachen.de ergänzen.

    PS: Ich habe bei den Anti-Spam-Buchstaben gerade “ikea” eingegeben. Gibt’s da einen Werbevertrag oder ist das Zufall? :D

  2. Autor sagt:

    Lieber Christoph,
    Danke für die zusätzlichen Tipps. Was Ikea betrifft – Leider hat man uns noch keinen Werbevertrag vorgelegt, es ist also einfach nur Zufall ;-)

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