Das wesentlichste Hindernis, über den der Schritt nach Island meist stolpern wird, ist sicherlich die Sprachbarriere, auf die gleich vorweg hingewiesen werden soll. Denn isländisch ist zum einen recht selten, übertrifft zum anderen in Sachen Komplexität gar das Deutsche, so dass es unverhältnismäßig erscheint, für ein oder zwei Semester die Sprachmühen auf sich zu nehmen.
Die Wirtschaft
Anders sieht es natürlich aus, wenn man längerfristige berufliche Absichten verfolgt, was gar nicht so abwegig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn Island hat im Vergleich zu allen anderen Industrieländern die niedrigste Arbeitslosenquote bzw. den höchsten Beschäftigungsgrad. Das kontinuierliche Wirtschaftswachstum hat neben den traditionellen Bereichen Fischfang und Tourismus zur Entwicklung des Finanzsektors, der Informationstechnologie und, besonders interessant, der Forschung beigetragen. In diesem Sektor und in dem der Bildung ist die isländische Politik besonders aktiv, weil sie auf eine Kombination aus Wirtschaft, Mensch und Natur für eine nachhaltige Zukunft setzt.
Sprachbedingungen
Doch kehren wir zur Sprache zurück. Trotz eines ausgeprägten Sprachpurismus verstärkt sich in Island der Trend, die Kurse auch im Englischen abzuhalten. Die „Háskólinn í Reykjavík“, die mit vier Fakultäten die drittgrößte Hochschule ist, bietet zum Beispiel ihre Studiengänge ab 2008 zweisprachig (isländisch und englisch) an. Zudem ergänzen nicht selten Bücher in deutscher oder skandinavischer Sprache die Lehrbasis. Es kommt auch vor, dass ausländische Studenten im ersten Semester Klausuren auf Englisch oder gar in ihrer Muttersprache schreiben dürfen. Es lohnt also, nach den jeweiligen Sprachbedingungen für das eigene Fach zu recherchieren.
Das Lehrangebot
Doch was kann man eigentlich in Island studieren? Von den acht Hochschulen hat die 1911 gegründete und damit älteste Universität „Háskóli Íslands“ mit elf Fakultäten das umfangreichste Angebot. Neben Jura, Medizin, Geistes-, Wirtschafts-, Natur- und Sozialwissenschaften können hier auch Ingenieurwesen, Pharmazie, Krankenpflege, Zahnmedizin und Theologie studiert werden.
Die „Háskólinn á Akureyri“ bietet Pädagogik, Informatik, Management, Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Recht an.
Ihr folgt die schon erwähnte „Háskólinn í Reykjavík“, eine Privatuniversität, mit dem Angebot Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Gesundheit und Bildung, Natur- und Ingenieurwissenschaften.
Gleichen die genannten den hiesigen Universitäten, handelt es sich bei den übrigen um sehr spezialisierte Einrichtungen. So widmet sich die „Kennaraháskoli Íslands“ der pädagogischen Ausbildung, die „Landbúnaðarháskóli Íslands“ den Agrarwissenschaften, die „Hólaskóli, Háskólinn á Hólum“ dem Ländlichen Tourismus, der Wasserkultur, Fischbiologie und der Pferdewissenschaft. Dazu treten die beiden privaten Hochschulen „Háskólinn á Bifröst“ mit den Fächern Recht und Wirtschaft sowie „Listaháskóli Íslands“ mit den Studiengängen Design, Drama, Musik und Bildende Kunst.
Klein, aber fein
So übersichtlich die Hochschullandschaft ist, so überschaubar ist auch die Größe der einzelnen Einrichtungen, die es insgesamt auf circa 12000 Studenten bringen. Dem gegenüber steht die verhältnismäßig sehr gute Ausstattung – sowohl in materieller als auch in personeller Hinsicht. Eine intensivere Betreuung der Studenten durch die Dozenten ist da nicht verwunderlich. Die Lernatmosphäre ist somit sehr relaxt und dennoch intensiv. Wer sich zudem für eine staatliche Hochschule entscheidet, muss keine Studiengebühren zahlen. Allerdings gibt es auch hier den Semesterbeitrag, um den Gaststudenten aber herumkommen können. Denn auch die Hochschulen in Island partizipieren am Sokrates- bzw. Erasmusprogramm. Daneben haben die meisten Einrichtungen auch bilaterale Abkommen mit ausländischen Universitäten. Sind die Studienbedingungen nahezu ideal, gilt es dennoch zu beachten, dass die Lebenshaltungskosten vor allem in Reykjavík über denen in Deutschland liegen.
Kultur und Natur
Vergessen werden darf natürlich auch nicht der vielleicht größte Pluspunkt Islands – der hautnahe Kontrast zwischen Natur und Kultur, der wohl selten eine so starke Ausprägung findet wie hier. Obwohl das Bierbrauen erst seit 1989 in Island wieder erlaubt ist, findet man in der Innenstadt von Reykjavík ein Nachtleben, das in den nördlichen Breitengraden seinesgleichen sucht. Aber nicht nur Bars, Clubs und Cafés, sondern auch Theateraufführungen, Konzerte und Ausstellungen entfalten eine unglaublich breitgefächerte Präsenz. Die entsprechenden Festivals haben über die nationalen Grenzen hinweg längst nicht mehr nur den Ruf von Geheimtipps. Es scheint, als sei im Verhältnis zur geringen Einwohnerzahl fast jeder kulturell aktiv und als wolle man mit der bunten Vielfalt gerade zu den dunklen Polarwintern einen Ausgleich schaffen. Und apropos: So imposant und eindringlich wie das Esja-Gebirge die Hauptstadt umschließt ist die mit Geysiren gespickte Insel vom Meer umgeben. Als bedürfe es wiederum nur eines Schrittes, um die Natur der größten Vulkaninsel der Welt in ihrem unverfälschten Element zu erleben.
Ein Tipp für den Recherche-Einstieg ist das Internationale Büro der Universität Island, das Informationen zu allen Angelegenheiten der höheren Bildung bereithält: Office of International Education