Warum nicht die Niederlande?

Kein Numerus Clausus

Am deutlichsten offenbart sich die Besonderheit des niederländischen Bildungssystems bei den Zulassungsvoraussetzungen für ein Hochschulstudium: Dass es keinen Numerus Clausus gibt, dürfte wohl für viele der Grund sein, in den Niederlanden ein Studium anzutreten. Hier versucht man, den Bewerbern ein Studium zu ermöglichen, das auf den individuellen Interessen und Fähigkeiten aufbaut, ohne die Schwächen in Fächern, die nicht für das Studium relevant sind, zu berücksichtigen. Deshalb benötigt man für manche Studiengänge in den Niederlanden auch den Nachweis spezieller Leistungs- und Grundkurse, auf denen der gewünschte Studienschwerpunkt aufbaut. Im ersten Jahr, das dem deutschen „Grundstudium“ entspricht, muss der Student dann durch das Erreichen einer bestimmten Anzahl an Studienpunkten beweisen, dass das gewählte Fach das richtige für ihn ist. Erst darauf wird er zur Hauptphase des Studiums zugelassen.

Wenn ein Überangebot an Arbeitskräften für einen bestimmten Fachbereich besteht oder sich während des laufenden Bewerbungsverfahrens herausstellt, dass es zu viele Bewerber gibt, wird aber auch in den Niederlanden eine Zulassungsbeschränkung praktiziert. Im ersten Fall bezieht sie sich auf den gesamten Studiengang, im zweiten Fall häufig nur auf den der betroffenen Hochschulen. Die Beschränkung selbst erfolgt in Form des Numerus Fixus, bei dem mindestens die Hälfte der Studienplätze verlost und ein nicht geringer Anteil durch Uni-spezifische, dezentrale Auswahlverfahren besetzt wird, so dass ein gewisses Maß an Chancengleichheit bestehen bleibt.

Problemgesteuerter Unterricht

Das herausragende und strukturell einflussreichste Merkmal der niederländischen Hochschulbildung ist jedoch sicherlich der so genannte problemgesteuerte Unterricht. Hierbei ist der Dozent weniger Lehrer, der Kenntnisse frontal überträgt, als ein Tutor der dem Lernprozess der Studenten beratend zur Seite steht. Das Prinzip ließe sich vielleicht am einfachsten folgendermaßen zusammenfassen: Anstatt Antworten zu geben, versucht der Dozent, den Studenten die Methode und das Rüstzeug zu vermitteln, die Antworten selbst zu finden. Solch ein Lehrprinzip hat in der Praxis folgende Implikationen:

  • der Unterricht ist häufig fall- und projektorientiert
  • der Unterricht besteht oft aus Gruppenarbeit, so dass auch „soft skills“ wie Kooperation, Präsentation und Kommunikation erlernt werden
  • der Unterricht ist integrativ aufgebaut, führt je nach Fall/Projekt möglichst das bisher Erlernte aus den belegten Fächern zusammen
  • die Arbeit ist durch ein hohes Maß an Selbständigkeit gekennzeichnet, das mit dem Studiumsforschritt sukzessive ansteigt
  • der Umgang mit Informationen ist problem- und praxisorientiert, so dass er den Alltag im Berufsleben abbildet

Gute Rahmenbedingungen

Zwar wird dem deutschen Studenten, der die detaillierte und penible Regelung aller bürokratischen Angelegenheiten gewohnt ist, die mit dieser Auffassung vom Unterrichten einhergehende offene Organisation des Studiums teilweise etwas chaotisch anmuten. Doch lohnt es sich meist für den Einzelnen. Die Hochschulen sind ganz allgemein sowohl personell als auch materiell exzellent ausgestattet. Dieser Umstand bietet in Kombination mit dem problemgesteuerten Unterricht die Möglichkeit, den Studiengang rasch und individuell gut betreut zu durchlaufen, was sich schließlich auch in der niedrigen Abbrecherquote widerspiegelt. Gerade die Praxisorientiertheit, die sich nicht nur in zahlreichen Exkursionen, sondern auch in der engen Zusammenarbeit mit Firmen und Unternehmen niederschlägt, sorgt dafür, dass Absolventen niederländischer Hochschulen schneller im Berufsleben Fuß fassen können als beispielsweise diejenigen deutscher Hochschulen.

Heimat der exotischen Studiengänge

Das außergewöhnliche Bildungssystem scheint ebenfalls ein fruchtbarer Boden für einzigartige, aber „handfeste“ Studiengänge jeglicher Couleur zu sein, die für den Reiz der Niederlande als Studiumsziel das Zünglein an der Waage darstellen dürften. Egal ob ein internationales Businessstudium mit dem Schwerpunkt Asien (Asian Business Studies), ein Wirtschaftsstudium, das sich nur dem Pferd widmet (Pferdemanagement), ein Studium, das Mode, Technologie und Managementthematiken kombiniert (Textilmanagement), oder die Möglichkeit, Krankenpflege in einem speziellen Studiengang zu erlernen. All jene mit dem Hang zur Spezialisierung werden hier fündig.

Hindernisse?

Von den üblichen zwei Hauptproblemen, die ein Auslandsstudium mit sich bringt, dürfte das der Sprache relativ rasch zu klären sein. Denn zum einen gibt es in den Niederlanden viele englisch- oder sogar deutschsprachige Studiengänge. Zum anderen weist das Niederländische starke Ähnlichkeiten mit dem Deutschen auf. Schwieriger ist es mit dem zweiten Problem, der Finanzierung, da pro Jahr schon Studiengebühren von ca. 1.500 Euro anfallen. Eine Lösung hierfür besteht in der Niederländischen Studienfinanzierung. Um diese beantragen zu können, muss man aber mindestens 32 Stunden pro Monat bei einer niederländischen Firma arbeiten und jünger als 30 Jahre sein.
Zudem weisen viele Studentenstädte, ähnlich wie in Deutschland, recht hohe Lebenshaltungskosten auf, was einen zusätzlichen Ballast darstellt. Besonders Wohnungen – in sehr schlechtem Zustand – werden zu horrenden Preisen vermietet. Oftmals ist ein niederländischer Studiumsaufenthalt deshalb ohne einen Bildungskredit kaum zu realisieren, der sich in den Augen der Absolventen aber nicht erst mit dem raschen Einstieg ins Berufsleben amortisiert hat, sondern schon während des Studiums. Als Stichpunkt sei hier zuletzt nur das berüchtigte, offene und tolerante kulturelle Leben der holländischen Metropolen erwähnt.

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Eine Antwort auf Warum nicht die Niederlande?

  1. Hauke sagt:

    Hallo ich bin Jura Student in Hamburg im dritten Semester und würde gerne in die Niederlande für ein Jahr bspw. nach Groningen. Wie muss ich mich wo bewerben?

    Mit freundlichem Gruß
    Hauke

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